Willy Brandt (Herbert Ernst Karl Frahm / 1913 – 1992) war ein deutscher Politiker und von 1969 bis 1974 der vierte Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Er gilt als einer der bedeutendsten Staatsmänner des 20. Jahrhunderts. Für seine wegweisende Außenpolitik erhielt er 1971 den Friedensnobelpreis.
Brandts politische Stationen und Leistungen
Brandts neue Ost- & Entspannungspolitik
Unter dem Leitmotiv „Wandel durch Annäherung“ leitete er eine historische Kehrtwende im Kalten Krieg ein. Durch die Ostverträge erreichte er einen Ausgleich mit der Sowjetunion, Polen und der DDR. Unvergessen ist sein Kniefall von Warschau im Dezember 1970 am Ehrenmal für die Toten des Ghettos, der weltweit zum Symbol für die Bitte um Versöhnung und die Anerkennung der deutschen Schuld wurde.
Brandts Innenpolitik
Seine Regierungszeit stand unter der Devise „Mehr Demokratie wagen“. Er stieß tiefgreifende gesellschaftliche und soziale Reformen an, darunter die Herabsetzung des Wahlalters von 21 auf 18 Jahre, die Einführung des BAföG sowie Modernisierungen im Familien-, Miet- und Arbeitsrecht.
Flucht vor den Nationalsozialisten
Da Brandt bereits als Schüler aktiver Sozialist war, musste er nach der Machtergreifung Adolf Hitlers 1933 nach Norwegen und später nach Schweden fliehen. In dieser Zeit legte er sich das Pseudonym Willy Brandt zu, das er später als offiziellen Namen beibehielt.
Regierender Bürgermeister von Berlin
Vor seiner Zeit als Bundeskanzler war er von 1957 bis 1966 Regierungschef in West-Berlin. In diese Phase fiel 1961 der Bau der Berliner Mauer, was seine späteren Bemühungen um menschliche Erleichterungen in einem geteilten Land stark prägte.
Die Spionage-Affäre und Brandts Rücktritt (1974)
Die Regierungszeit von Willy Brandt endete abrupt im Mai 1974. Er übernahm die politische Verantwortung und trat zurück, nachdem sein enger persönlicher Referent Günter Guillaume als DDR-Spion (Spionage-Affäre) enttarnt worden war. Sein Nachfolger im Kanzleramt wurde Helmut Schmidt.
Die ganze Politik soll sich zum Teufel
Willy Brandt
scheren, wenn sie nicht dabei hilft,
das Leben der Menschen einfacher
zu machen.
(Friedensnobelpreisträger & Bundeskanzler / 1913 – 1992



